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Weber Automotive kann seine Produktion erweitern

Der Technische Ausschuss genehmigt den Bauantrag für eine neue große Produktionshalle des Markdorfer Unternehmens. Das befindet sich seit Jahren auf einem strammen Wachstumskurs: In 2016 wurden 313 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet und ein Bilanzgewinn von knapp 55 Millionen Euro verbucht.

 

Das vordere Gebäude und die Halle dahinter am Südende des Weber-Areals sollen abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Den hat nun der Technische Ausschuss genehmigt. Bild: Helmar Grupp

 

 

Das Markdorfer Unternehmen Weber Automotive kann seine Erweiterungspläne angehen: Einstimmig bewilligte der Technische Ausschuss am Dienstagabend den Bauantrag für die Errichtung einer neuen Produktionshalle an der Otto-Lilienthal-Straße. Die neue Halle soll rund 100 auf 50 Meter messen und 21 Meter, in Teilbereichen bis zu 28 Meter, hoch werden (wir berichteten am Samstag). Über die konkreten Gründe für die beabsichtigte deutliche Ausweitung der Produktionskapazitäten und darüber, welche Komponenten in der neuen Halle gefertigt werden sollen, ist derzeit noch nichts bekannt. Das Unternehmen werde in den kommenden Wochen darüber informieren, hieß es auf Anfrage des SÜDKURIER am Mittwoch.

Den Sitzungsunterlagen des Ausschusses zufolge soll die neue Halle Bestandteil einer umfangreicheren Planungsabsicht des Unternehmens für das Gesamtareal sein. Dafür, so heißt es seitens der Verwaltung, müsse noch ein gesonderter Bebauungsplan aufgestellt werden. Die Stadträte bewilligten den Bauantrag für die Halle ohne größere Diskussion, in der Aussprache ging es hauptsächlich um die Parksituation im dortigen Gewerbegebiet Negelsee.

Strammes Wachstum

Dass Weber Automotive stramm auf Wachstumskurs ist, lässt sich alleine schon an der Umsatzentwicklung ablesen. Das Unternehmen erwirtschaftete 2016 einen Umsatz in Höhe von 313 Millionen Euro, in 2015 waren es 306 und in 2014 noch 226 Millionen Euro. 2011 hatte der Umsatz noch rund 74 Millionen Euro betragen. Bereinigt um den Zukauf der Firma Saarotec, die knapp 46 Millionen Euro zum Umsatz in 2016 beigetragen hatte, war der Umsatz der Weber Automotive GmbH allerdings um rund 46 Millionen Euro zurückgegangen. Der Auslauf von Projekten und eine niedrigere Nachfrage bei Bestandsaufträgen waren die Gründe dafür. Seine Umsätze um 7,3 Millionen Euro steigern konnte hingegen der US-Standort in Auburn Hills. Langfristig rechnet man im Unternehmen aber offenbar mit einem weiteren starken Ausbau der Geschäftstätigkeiten: Denn um Wachstum auch dauerhaft finanzieren zu können, wurde im Dezember 2016 die französische Investmentgesellschaft Ardian ins Boot geholt. Ardian ist seither Mehrheitseigner von Weber Automotive, die Familie Weber ist aber noch signifikant am Unternehmen beteiligt.

Eigenkapital-Spritze

Mit der Transaktion wurde zugleich eine Eigenkapitalerhöhung um 50 Millionen Euro vorgenommen. Diese Eigenkapitalerhöhung kann jederzeit von der Geschäftsführung abgerufen werden. Das Management in Markdorf kann also kurzfristig investieren, wenn es dies für nötig erachtet. Gleich nach der Transaktion hatte die Geschäftsführung im Dezember 2016 bereits fünf Millionen Euro aus der Kapitalerhöhung abgerufen. Das Eigenkapital von Weber Automotive erhöhte sich entsprechend von 68,2 Millionen Euro in 2015 auf 132,7 Millionen Euro in 2016. Für 2017 liegen die offiziellen Zahlen noch nicht vor.

54 Millionen Euro Gewinn

Doch das Unternehmen wuchs nicht nur, sondern wirtschaftete auch erfolgreich: Das Konzernjahresergebnis belief sich 2016 auf 15,3 Millionen Euro (2015: 7,6 Millionen). Für 2016 wurde ein Bilanzgewinn in Höhe von 54,7 Millionen Euro ausgewiesen (2015: 39,3 Millionen). Auch dazu hatte vor allem das gute Ergebnis der Weber Automotive Corporation in Auburn Hills beigetragen. Zum Jahresende 2016 beschäftigte Weber Automotive weltweit rund 1160 Mitarbeiter, davon rund 720 bei der Weber Automotive GmbH.

Parksituation im Gewerbegebiet

In der Sitzung des Technischen Ausschusses haben die Mitglieder einstimmig für den Bauantrag gestimmt. Für Diskussion sorgte die Parksituation im Gewerbegebiet.

  • Roland Hepting (Umweltgruppe) war es ein Anliegen die Parksituation im Gewerbegebiet anzusprechen. "In der Innenstadt haben wir die Nachverdichtung mit Tiefgaragen, im Industriegebiet wird überall in der Fläche geparkt", sagte Hepting. "Warum haben die Firmen keine Tiefgaragen?". Dies beschäftigte auch Alfons Viellieber (CDU): "Die Flächen sind doch besser geeignet, um Hallen daraufzustellen, anstatt Autos." Bürgermeister Georg Riedmann antwortete, dass die Stadtverwaltung nicht wisse, was die Firmeneigentümer mittel- oder langfristig planen. "Wenn der Druck da ist, werden sie gezwungen sein, andere Lösungen zu finden", so Riedmann.
  • Michael Schlegel, Stadtbaumeister, hatte den Bauantrag zuvor vorgestellt. Zwar überschreitet die geplante Produktionshalle auf der gesamten Fläche die maximal zulässige Gebäudehöhe um sechs beziehungsweise neun Meter. Allerdings liegen diese abgerückt, sodass die Höhenwirkung reduziert wird und städtebaulich verträglich ist. "Da unsere Gewerbeflächen endlich sind, müssen wir in die Höhe gehen", warb Schlegel für die Befreiungen. "Es ist eine deutliche Erweiterung, die wir aber in dem Gebiet schön länger erwarten."
  • Christiane Oßwald (Umweltgruppe) sprach sich für die Befreiungen aus, auch wenn diese "massiv" seien. "Wir müssen einheimische Betriebe, die erweitern wollen und erweitern können, unterstützen." Das sah auch Simon Pfluger (CDU) so: "Ich finde es gut, in die Höhe zu gehen". Arnold Holstein stimmte für die Freien Wähler dem Bauantrag ebenfalls zu. "Wir müssen die bestehenden Unternehmen pflegen", so Holstein. (Stefanie Noßwitz)