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Weber Motor zieht nach Brandenburg

Keinem Mitarbeiter soll gekündigt werden - Weber Automotive vergrößert.

Markdorf Weber Motor zieht um – nach Brandenburg. So, wie es schon lange geplant ist. In Bernau findet das Markdorfer Unternehmen die Flächen vor, die es für die Erweiterung braucht – und die in Markdorf nicht zur Verfügung stehen. Weber Motor stellt Motoren für Motorboote, Jet-Ski und Schneemobile her. Im Juni diesen Jahres erteilte der Sportboote-Hersteller Sea-Ray einen Großauftrag. Dieser könnte für eine Verdreifachung der Auslastung von Weber Motor sorgen.

Für die Stadt Markdorf scheint der Umzug von Weber Motor auf den ersten Blick ein herber Schlag: Neben etlichen Arbeitsplätzen verliert die Stadt auch einen Gewerbesteuerzahler, da der Stammsitz der Firma ebenfalls nach Bernau verlagert werden soll. Wann sich der Umzug im Haushalt niederschlägt, das sei abhängig davon, wann Weber Motor den Stammsitz verlegt, so Markdorfs Kämmerer Bernd Habnitt. Welche Beträge dadurch künftig im Haushalt fehlen könnten, kann er derzeit allerdings noch nicht beziffern.

Weber Motor zieht nach Brandenburg und macht dadurch Platz für Weber Automotive. (Foto: Jens Lindenmüller)

Markdorfs Bürgermeister Bernd Gerber gibt sich da wesentlich optimistischer: „Ich gehe fest davon aus, dass sich an unserem täglichen Leben in Markdorf nichts ändern wird“, sagt er im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung. Im Gegenteil, er freue sich, dass es Weber so gut gehe. Die Arbeitsplätze von Weber Motor würden rasch durch neu geschaffene Arbeitsplätze bei Weber Automotive kompensiert, ist sich Gerber sicher. „Und zur Gewerbesteuer sage ich kein Sterbenswörtchen.“

Wolf Hawlitschek, der in Bernau die Standortleitung übernehmen wird, betont, dass keinem Mitarbeiter von Weber Motor gekündigt werde. Außerdem würde etwa ein Viertel der 85 Arbeitsplätze von Weber Motor in Markdorf erhalten bleiben, da die Abteilungen Versuch und Entwicklung hier bleiben würden.

Für das Städtchen Bernau, 25 Kilometer nordöstlich von Berlin gelegen, ist der Umzug von Weber Motor ein großer Segen. Erst im Frühjahr 2011 machte die Großbäckerei Lieken, einer der größten Arbeitgeber in Bernau, die Tore zu. Dadurch gingen dem Ort mit seinen 37 000 Einwohnern mehr als 200 Arbeitsplätze verloren. „Wir sind keine große Industriestadt, sondern eher mittelständisch geprägt“, erklärt Stadt-Pressesprecherin Fanny Behr. Umso besser sei es für die Stadt, dass Weber Motor nach Bernau ziehe.

Bernaus Bürgermeister Hubert Handke freut sich schon auf den Einzug von Weber Motor: „Gut, dass es an dem ehemaligen Lieken-Standort geklappt hat, hier neue Arbeitsplätze entstehen und ein langer Leerstand vermieden werden konnte. Kaum sind die alten Maschinen raus, produzieren bereits neue, wie ich mich kürzlich direkt vor Ort bei Herrn Weber und dem Betriebsleiter Herrn Hawlitschek überzeugen konnte.“ Insgesamt 30 Millionen Euro will Weber Motor am neuen Standort investieren. Die ersten Gelder seien schon geflossen, so Hawlitschek.

Noch in diesem Monat soll es für Weber Motor in Brandenburg losgehen: Auf dem Gelände der ehemaligen Großbäckerei, rund eine Autostunde von der polnischen Grenze entfernt, sollen bald die Motoren der neuen Zweizylinder-Generation MPE 850 produziert werden. 30Fachkräfte wurden dafür bereits eingestellt; sie werden zurzeit in Markdorf in ihre neue Aufgabe eingewiesen. Bis Ende des Jahres soll die Belegschaft auf rund 70 Angestellte aufgestockt werden, im kommenden Jahr sollen es gar Hundert werden. Nach Informationen der Märkischen Oderzeitung, der Lokalzeitung für die Region östlich von Berlin, sollen bis 2015 rund 300 Mitarbeiter in Bernau für Weber Motor arbeiten. Laut Hawlitschek könne diese Zahl aber nur erreicht werden, wenn die Konjunktur dies zulasse.

Fachkräfte seien laut Hawlitschek auch einer der Gründe, warum Weber Motor nach Brandenburg umzieht: Die niedrige Arbeitslosigkeit am Bodensee mache es für das Unternehmen schwer, verfügbare Fachkräfte zu finden. In Brandenburg, wo die Arbeitslosenquote bei knapp zehn Prozent liegt, sei es für das Unternehmen einfacher, Personal zu finden. Außerdem sei die Verkehrsanbindung besser und die Nähe zur Bundeshauptstadt Berlin attraktiv. Die frei werdenden Flächen in Markdorf werden familienintern an Weber Automotive abgetreten. Da die Geschäfte bei Weber Automotive florieren, könne man die Flächen gut gebrauchen. Hawlitschek ist überzeugt, dass die Erweiterung von Weber Automotive den Wegzug von Weber Motor kompensieren wird.