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Weber Motor geht nach Brandenburg

Für die Markdorfer Weber-Gruppe beginnt eine neue Zeitrechnung: Das Familienunternehmen hat den Firmensitz der Weber Motor GmbH von Markdorf nach Brandenburg verlagert.

Dort, auf dem ehemaligen Produktionsgelände der Großbäckerei Lieken in Bernau vor den Toren Berlins, werden künftig die Motoren der neuen Zweizylinder-Generation MPE 850 produziert.
In den neuen Standort investiert das Unternehmen rund 30 Millionen Euro. Noch im Oktober sollen die ersten Abläufe der Produktion gestartet werden. Dafür hat Weber Motor bereits rund 30 Mitarbeiter vor Ort eingestellt, bis Jahresende sollen es 70, bis Ende 2013 rund 100 sein, inklusive Auszubildender. Im Gegenzu g wird die bisherige Produktion in Markdor f beendet werden, es sollen aber noch Abteilungen verbleiben. In Markdorf wurden bislang Motoren der Baureihe MPE 750 für Schneemobile, Jet-Ski und Yacht-Beiboote hergestellt. In diesen Segmenten ist Weber Motor eigenen Angaben zufolge auch globaler Marktführer.

Der Neuaufbau der MPE 850-Produktion an anderem Standort sei aus mehreren Gründen notwendig geworden, so Geschäftsführer Christian Weber und Bernaus Standortleiter Wolf Hawlitschek im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Vor allem hatten die Flächen in Markdorf nicht mehr ausgereicht. Eine Erweiterung sei nicht mehr möglich gewesen. Die nun frei werdenden Flächen im Obergeschoss sollen der Weber Automotive GmbH zugeschlagen werden. Laut Christian Weber eine glückliche Fügung, denn auch die Automotive-Sparte sei auf starkem Wachstumskurs. Auftragslage und Auslastung bei Weber Automotive seien hervorragend, der Platz werde dringend gebraucht, sagt Weber.

Ähnlich sieht es im Motorenbereich aus. Dafür sorgt vor allem aber ein neuer Großkunde aus den USA: Im Juni hatte der Sportboote-Hersteller Sea Ray die Weber Motor GmbH mit der Motorenlieferung für seine neue Jet-Boot-Serie beauftragt, die künftig von den MPE 850 angetrieben werden soll. Sea Ray als Neukunde könne für eine Verdreifachung der Auslastung von Weber Motor sorgen, gibt sich Christian Weber optimistisch: „Das ist für uns eine große Geschichte.“ Konkrete Zahlen zu Umsätzen oder Auftragsvolumen möchte Weber nicht nennen. Doch der Großauftrag, der zum bestehenden Kundenportfolio hinzukommt, soll Weber Motor in den nächsten Jahren einen kräftigen Expansionsschub geben. Der „Märkischen Oderzeitung“ zufolge sollen bis 2015 gar rund 275 Mitarbeiter in Bernau Motoren produzieren. Diese Zahl, die eine Verdreifachung des jetzigen Mitarbeiterstandes bedeuten würde, wollte Weber jedoch nicht bestätigen.

Freude nach monatelanger Zitterpartie: Christian Weber, Geschäftsführer der Weber Motor GmbH, und Wolf Hawlitschek, Standortleiter des neuen Hauptsitzes in Bernau.  Bild: Grupp

Derzeit werden die neuen Mitarbeiter aus Brandenburg in Markdorf in ihre künftigen Aufgaben eingewiesen. Im Oktober sollen die ersten Maschinen in Bernau hochgefahren werden, sagt Hawlitschek: „Das ist unser Ziel, zurzeit sind wir noch intensiv an den Vorbereitungen.“ Seit dem Sommer – die Ansiedlung wurde am 14. Juli besiegelt – wurden Umbau, Sanierung und Modernisierung der Halle und des Geländes in Bernau gestemmt. Der Standort sei jedoch ideal, sagt Weber. Pluspunkte gegenüber Markdorf sind die verkehrstechnische Anbindung mit der Hauptstadt Berlin vor der Haustür und der Arbeitsmarkt vor Ort. Während die Unternehmen am Bodensee händeringend qualifizierte Facharbeiter suchen, ist dies in Brandenburg ein vergleichsweise deutlich geringeres Problem.

Bis der neue Standort in trockenen Tüchern war, war es ein veritabler Wirtschaftskrimi: Quasi erst in letzter Minute, nachdem Weber seine Kündigungsfrist für das gekaufte Gelände nochmals verlängert hatte, kam die Zusage der Landesregierung über die Fördergelder. Ohne die aber wären die Pläne geplatzt, bekennt Weber: „Für uns wäre es fatal gewesen, denn wir hatten die Ansiedlung bereits begonnen.“ Der „Plan B“, eine Erweiterung in Markdorf, sei nicht aktiv verfolgt worden. Wegen der Förderauflagen ist Bernau nun auch der Hauptsitz der Weber Motor GmbH.