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Flexibel: Zulieferer wollen breitere Basis

ZF baut Windkraftgetriebe - Firmen in der Region planen personell aufzustocken

Der Automobilzulieferer ZF steigt in das Segment erneuerbare Energien ein und baut demnächst in den USA Windkraftgetriebe.

Leutkirch - Die Wirtschaft befindet sich im Aufschwung. Bundesweit hat die Autobranche nach dem Krisenjahr 2009 eine Renaissance erlebt. Die deutschen Autohersteller glänzen mit hervorragenden Zahlen und ließen sich jüngst auf der großen Bühne Auto Show in Detroit feiern. Doch während die gefeierten Akteure noch den Applaus genießen, wird hinter dem Vorhang fleißig gearbeitet. Die Autozulieferer haben ihren Teil zum Erfolgsstück beigetragen, aber das Krisenjahr 2009 hat deutlich gemacht, wie groß die Abhängigkeit von der Autoindustrie ist. Daraus haben die Zulieferer, deren Gros in Süddeutschland beheimatet ist, gelernt und reagiert. Ein Überblick:

ZF plant 1000 neue Stellen

Ein ganzes Maßnahmen-Bündel hat der Global Player ZF geschnürt. Das Fundament, um ohne Kündigungen durch das Krisenjahr 2009 zu kommen, bildete das Modell der Kurzarbeit. Zudem sicherte ein 600 Millionen Euro starkes Sparpaket die Liquidität. Am ZF-Standort Friedrichshafen wurde beispielsweise ein so genannter Solidarfonds eingerichtet, gespeist von einem Beschäftigungssicherungsfonds, in den Unternehmen und Mitarbeiter gemeinsam 16 Millionen Euro eingezahlt hatten. Mit diesem Geld wurde die geringe Auslastung mit Fortbildungen und Qualifizierungen kompensiert. „Durch all diese Maßnahmen konnten wir die Stammbelegschaft in Deutschland halten“, sagt ZF-Sprecher Torsten Fiddelke.

Auch in der Kundenstruktur hat sich bei den Friedrichshafenern etwas geändert. ZF steigt künftig in das Segment erneuerbare Energien ein. In den USA wird zurzeit ein Werk gebaut, das ab 2012 Windkraftgetriebe produzieren soll. Zudem steigt ZF mit einem Elektronik-System in den Markt für Telemetrie-Dienstleistungen ein. „Spediteure haben somit die Chance zur Fernüberwachung ihrer Lkw-Flotte sowie zur Ferndiagnose“, erklärt Fiddelke.

Für 2011 peilt der Konzern dank seiner strategischen Neuausrichtung in vier Divisionen Effizienzgewinne an. Weiter sollen weltweit 3000 Stellen geschaffen werden, davon 1000 in Deutschland. Der stabilen Auftragslage sei Dank.

„Massive personelle Verstärkung“

Ebenso erfreulich ist der Auftragseingang bei der Firma Betec im Ostalbkreis. Der Geschäftsverlauf des Zulieferers sei gesamt zwar nicht zufriedenstellend, sagt der neue Firmenchef Hans-Ulrich Sachs, habe sich im Verlauf des Jahres 2010 stetig verbessert. Aus Konsequenz aus der Krise plant Sachs „massive personelle Verstärkungen“ in den Entwicklungsbereichen für Rohrtechnik, Prototypen- und Maschinenbau. Entsprechend soll auch die Produktfamilie ausgebaut werden, um eine breitere Basis zu schaffen. Gleiches gilt für den Kundenstamm, der aufgestockt wurde. Helfen soll zudem eine erhöhte Fokussierung auf die Kundenbedürfnisse. Für 2011 erwartet Sachs, dass „der Umsatz um circa 20 Prozent wachsen wird“. Damit wäre allerdings noch nicht die Leistung aus den Jahren 2007 und 2008 erreicht.

300 Prozent mehr Umsatz erwartet

Besser ist die Erwartungshaltung bei Weber Automotive aus Markdorf. Die Krise hatte hier erst 2010 voll eingeschlagen, der Umsatz war um die Hälfte eingebrochen und lag weit unter dem eigentlich erwarteten Umsatz. Genaue Umsatzzahlen veröffentlich das Familienunternehmen prinzipiell nicht. „2010 war die Krönung der Schwierigkeit“, blickt Geschäftsführer und Firmengründer Albert Weber zurück. Und dennoch erwartet er für das Jahr 2011 einen Umsatz, der eine Steigerung von über 300 Prozent bedeuten würde. „Genau“, bestätigt Weber und fügt quasi erklärend hinzu: „Es ist eine verrückte Welt.“

Weber Automotive hatte es schwer erwischt: Großkunden, wie zum Beispiel GM, hatten den Motorenzulieferer auf Aufträgen sitzen gelassen. „Ich teile das als kriminelles Verhalten ein“, kritisiert Weber. Zu Beginn der Krise seien teils Fünf-Jahres-Verträge gekündigt worden. Die Firma nahm die Kurzarbeit dankbar in Anspruch, kam um „moderate Entlassungen“ aber nicht herum. Wie auch ZF habe man zudem die Kurzarbeit mit internen Qualifizierungen und Fortbildungen kombiniert.

2008 schaffte Weber den Eintritt in den Nutzfahrzeugmarkt. „Dadurch war der Einbruch nicht so schlimm“, erklärt Weber, der diesem Segment künftig eine große Bedeutung beimisst. Auch die verstärkte Nutzung der Abteilung Weber Motor, die komplette Motoren für die Sparte Freizeitmobilität produziert (derzeit 15 Prozent des Umsatzes), trägt zur breiten Kundenstruktur bei.

Neue Märke, mehr Personal, größere Produktpaletten, breitere Kundenstruktur. Die Zulieferer arbeiten an einer breiteren Basis. Um flexibler und dadurch unabhängiger von der Automobilindustrie zu werden.

(Erschienen: 18.01.2011 19:15)